Jany Barraut
Double Ironman 2011
7am: the swim starts, 7.6km. The atmosphere feels special: quiet and like reflecting the concentration of the participants.
I was only the 2nd participant this morning to bring my bike, in the dark, to the transition area around 5.50am, being used to meticulously prepare my equipment. I then realized that most did not bother so much about this…and maybe for a good reason: do 5min really count over 1.5 day??
Jean-Luc Hofer
Vor dem Wettkampf
Der härteste halbe Tag – mit diesem Motto wirbt der Ironman 70.3 Wiesbaden. Als 70.3-Rookie stellte ich mir jede Mitteldistanz als ziemlich hart vor. Am Freitagvormittag mit wenig Schlaf – ja, ich war schon 4 Tage zuvor so nervös, dass fast keinen Schlaf fand – machte ich mich auf den Weg nach Deutschland. Die Nervosität legte sich aber nach der Startnummerausgabe und dem lockeren Footing durch den Wiesbadner Kurpark.
Als ich am Samstag mein Fahrrad, welches von meinem Götti nach Wiesbaden chauffiert wurde, beim Schiersteiner Hafen eingecheckt hatte, bekam ich Zweifel, ob ich diese Distanzen wirklich durchstehen würde. Ich war noch nie 90km mit dem Rad am Stück durchgefahren… Erstaunlicherweise war ich dann am Vorabend überhaupt nicht mehr nervös und konnte problemlos einschlafen.
Allerdings hatte ich eine unruhige Nacht und war froh als der Wecker um 5 Uhr morgens klingelte und ES endlich losgehen konnte. Bevor ich den Weg zum Hafenbecken unter meine Füsse nahm, musste ich noch zwei grosse Herausforderungen meistern. Die erste war eine Banane und ein Brötchen zu essen. Die grössere Herausforderung war aber, dass mein Morgenessen nicht wieder zurück kam. Jetzt war ich richtig nervös…
Während der Shuttle Bus unten am Hafen ankam, schüttete es. Nach einigen Minuten liess der Regen allerdings nach, was auch das letzte Einrichten der Wechselzone angenehmer machte. Meine letzte Entscheidung vor dem Rennen war noch, ob ich das Rennen mit oder ohne Socken absolvieren soll. Ich entschied mich für letzteres, weil meine Füsse die olympischen Distanzen ohne Socken überlebt hatten.
Hauptgang
Es brauchte einige Überwindung auch den Kopf ins Wasser zu tauchen, denn diese grünliche Flüssigkeit sah alles andere als appetitlich aus. Um 8.35 Uhr erfolgte der Startschuss für meine Kategorie. Leider kam ich im Wasser nicht wie gewünscht voran. Jeder Armzug war schon von Anfang an eine Qual. Deshalb war es für mich nicht verwunderlich, dass ich mit über 42min unter meinen Möglichkeiten aus dem Wasser kam. Nach einem Kampf mit dem Neoprenanzug durften nun meine Beine auch ins Geschehen eingreifen. Diese waren im Gegensatz zu meinen Armen in einer ganz anderen körperlichen Verfassung.
Die ersten 10km waren flach und ich konnte mich von meinem Wasserkampf erholen. Beim ersten Anstieg, der etwa 7km lang war und 300 Hm betrug, gab ich alles, was meine Beine hergaben. Meine Taktik auf dem Rad war in den Aufstiegen am Limit fahren, um mich dann in den Abfahrten wieder erholen zu können. Bei der Bottle Station lag ich noch im Zeitbudget. Auch bei Km 30 war ich noch für meine Verhältnisse gut in der Zeit. Kurz nach der Verpflegung als es die nächste Rampe hinaufging passierte mir ein Missgeschick der Sorte „unforced error“. Ich schaltete zu schnell und prompt hatte ich einen leeren Tritt. Ich schaffte es noch rechtzeitig vor dem Stillstand aus den Klickpedalen. Als die Kette wieder dort war, wo sie hingehörte, stieg ich mit schwarzen Händen wieder aufs Rad. Weil es stark regnete waren meine Hände ziemlich schnell wieder sauber. Bei der nächsten Abfahrt fing der untere Teil des Rückens an zu schmerzen. Und das schon nach etwas mehr als 30km. Das ist sehr wahrscheinlich ein Grund für die viel zu wenigen Radtrainings in der Vorbereitung. Die restliche Radfahrt wurde zur Qual. Die Krise endete erst bei der 10%-Rampe. Da spürte ich den Rücken nicht mehr… Die Schlussabfahrt, auf die ich mich so gefreut hatte, war schmerzhafter als jeder Aufstieg. Weil ich im Trikombi fuhr, fühlten sich die Regentropfen bei Tempo 80-90 wie Nadelstiche an. In der Wechselzone angekommen, war ich froh, dass ich nach knapp 4h Renndauer auch den Radsplit unbeschadet überstanden hatte. Vor den Abfahrten hatte ich aufgrund der nassen Strassen mehr Respekt als vor den Aufstiegen gehabt. Vor dem Halbmarathon war mir klar, dass ich den Halfironman schaffen werde.
Während ich die Laufschuhe angezogen hatte, merkte ich, dass ich aufs Klo sollte. Leider waren in der Wechselzone sämtliche Dixie-WCs besetzt, so entschied ich mich mit einer gefüllten Blase den Halbmarathon zu laufen. Am Anfang ging das noch gut. Die erste Runde durch den Kurpark verging schnell. Aber die zweite Runde fühlte sich schon etwas länger an, obwohl die Zeit nicht viel schlechter war als in der ersten Runde. Da merkte ich auch, wie viele WCs auf der Strecke aufgestellt waren. Kaum hatte ich meine Blase wieder vergessen, tauchte in der nächsten Ecke das nächste Häuschen auf und erinnerte mich an mein dringendes Bedürfnis. In der dritten Runde ging ich gnadenlos ein. Die Beine wurden schwerer und schwerer und ich hatte das Gefühl, eine Wand vor mich herzuschieben. Ich zählte nur noch die Kilometer bis ins Ziel. Jeder Meter war harte Arbeit. Jetzt wurde ich für die wenigen Radtrainings bestraft. Erst 3km vor Schluss konnte ich mich nochmals aufraffen und forcierte mein Tempo. Als ich das rosa und letzte Haarband in Empfang nehmen durfte, war der ganze Schmerz, die ganze Müdigkeit wie weggeblasen und ich rannte bei meiner Mitteldistanzpremiere nach 5h33 stolz durchs Ziel. Die Hama-Zeit war für meine Verhältnisse mit knapp 1:36 dürftig, aber mehr war nach 4h Sport als Vorbelas
tung für mich auch nicht möglich.
Fazit
Dieser Anlass war sehr gut und detailliert durchorganisiert gewesen. Die Helfer waren freundlich und hilfsbereit. Den Ironman 70.3 Wiesbaden kann ich nur weiterempfehlen.
Mit etwas mehr als 5h Sport wöchentlich ist für eine Mitteldistanz etwas zu wenig Training. Weil ich aber schon knapp 10 Jahren Leistungssport betreibe, kam ich ohne allzu grosse Probleme ins Ziel. Für nächstes Jahr werde ich meinen Trainingsumfang erhöhen und freue mich schon darauf, wieder in Wiesbaden starten zu dürfen.
P.S. Auch ohne Socken kann man einen Halfironman blasenfrei durchstehen :-)
Urs Brotzer
Swissalpine K78, 2009 >>> Pictures
Danke Katja, du hast es wieder mal geschafft. Dank deinen genialen Trainingsplänen habe ich nach Ironman und Bieler 100km Lauf nun ein weiteres grosses Ziel erreicht. Mein erster Berglauf überhaupt und gleich der König der Bergläufe, der Swissalpine K78 in Davos.
In nackten Zahlen ausgedrückt sind das 78,5 km, +/- 2300 Höhenmeter über 2 Pässe mit 2600 m.ü.M. Dass ich dabei eine Zeit erreichte die ich nie für möglich hielt, bestätigt eindrücklich dass ich auch dieses Mal bei Katja in den richtigen Händen war.
Begonnen hat das Abenteuer K78 im kalten Dezember 2008. Zuerst deutete noch nichts auf Berge hin. Flache Läufe, Intervalle, Sprints und zur Abwechslung auch mal etwas Rad auf der Rolle. Bald aber hiess es auch Treppenlauf, bergauf – bergab, welliges Gelände. Oft lag letzten Winter Schnee in Zürich, was das Laufen nicht einfach machte. Aber auch das ist gutes Training und Vorbereitung auf den Berglauf, kann es doch in den Bergen auch im Sommer noch Altschneefelder geben oder sogar auch mal frisch schneien. Im Februar folgten dann auch längere Aufstiege bis zu 400 Höhenmetern die ich auch teilweise auf rutschigem Untergrund absolvieren musste.
Ein Highlight nach der Kälte und dem Schnee war das Trainingslager in Lanzarote Anfang März. Hier ging es 2 Wochen lang zur Sache. Harte, stundenlange Mountainbike-Ausfahrten auf dem groben und steilen Untergrund der Insel wechselten sich ab mit langen Laufeinheiten. Da war ich körperlich wie mental teilweise am Limit, aber ich wusste aus Erfahrung dass ich mich auf Katjas Pläne verlassen kann.
Ende April durfte ich am Zürich Marathon mal so richtig Gas geben. Mit 3:20 erreichte ich zwar nicht ganz meine Bestzeit vom Vorjahr, aber doch immer noch eine sehr gute Zeit verglichen mit meinen Marathons aus der „Vor-Katja-Zeit“.
Die Trainingszeiten und Höhenmeter steigerten sich nun nach und nach. Auch hiess es plötzlich nicht mehr nur „schnell aufwärts“ sondern auch mal „Vollgas bergab“. Meine Beine sollten auch diese Belastung kennen lernen. Der Plan gipfelte dann in den letzten 2 Wochen vor dem Tapering mit total 6000 Höhenmetern und einigen Stunden flache Läufe dazwischen. Da stand ich manchmal am Morgen am Berg und wusste nicht wie ich mit den müden Beinen nun 1500 Höhenmeter überwinden kann. Ich war jeweils erleichtert es doch geschafft zu haben, würde ich doch am Wettkampftag diese Situation sicher auch antreffen.
Eine Woche vor dem Start erreichte eine Kaltfront die Schweiz und brachte Schneefall bis auf unter 2000 Meter! Noch 5 Tage vor dem grossen Tag lag auf den Pässen frischer Schnee. Oje, wie werden wohl die Wege, die ich eine Woche zuvor beim Training noch in gutem Zustand erlebt hatte, dort oben jetzt aussehen? Nach dem ersten Schreck versuchte ich mich mit positiven Gedanken zu motivieren: „Besser es hat jetzt geschneit als nächstes Wochenende, es bleibt noch genug Zeit damit der Schnee wieder schmilzt“.
Freitag, am Tag vor dem Lauf reise ich nach Davos. Die Wetteraussichten künden starke Regenfälle an in der Nacht aber mit Tendenz zur Besserung im Laufe des Samstags. Tatsächlich beginnt es am Freitag Abend wie aus Kübeln zu schütten. Ich mache mir Sorgen um den Zustand der Bergpfade die wir am anderen Tag begehen sollen. Total nervös mache ich in dieser Nacht fast kein Auge zu.
Tag X, erster Blick nach draussen. Immer noch tiefe dunkle Wolken zwischen den Bergen, aber zum Glück kein Regen mehr. Ich kann nur wenig essen so früh am Morgen und so aufgeregt wie ich bin. Erst als ich im Starterfeld stehe, legt sich die Nervosität.
Startschuss! Nach 8 Monaten harter Arbeit geht es nun endlich los. Auf einer 5 km langen Runde läuft das Feld der etwa 2000 Läuferinnen und Läufer der Kategorien K31, C42 und K78 erst mal durch Davos. Ich bin irgendwo in der Mitte und schon recht zügig unterwegs. Ein Schnitt von 5:10, ist das nicht etwas zu schnell? Meine Beine fühlen sich im Moment nicht wirklich fit an. Nach 20 Minuten das erste Mal meine Freundin und weitere Fans am Strassenrand, das motiviert und weiter laufe ich im langgezogenen Feld aus Davos hinaus das Landwassertal hinunter. Aber was heisst hinunter? Die folgenden 10 km sind ein ewiges auf und ab mit Tendenz zu auf, sind wir doch bei Km 15 auf 1700 m.ü.M, d.h. etwa 200 Meter höher als beim Start in Davos. Es ist bis hier fast unmöglich einen schönen Laufrhythmus zu finden.
Nun geht’s bis Km 25 nur noch abwärts bis auf eine Höhe von 1197 Meter zum Bahnhof Wiesen. Dort stehen wieder meine Fans und ich rufe ihnen zu: „Von mir aus könnte es hier schon fertig sein!“. Doch wofür habe ich denn so lange trainiert? Also weiter mit ein paar Gegensteigungen nach Filisur hinab, Km 30.6, Höhe 1032 m.ü.M. Bis hierher hatte ich mir 3 Stunden vorgenommen. Die Zwischenzeitnahme zeigt 2:49, also schneller unterwegs als geplant. Aber diese Reserve werde ich vielleicht noch brauchen. Ab hier folgt der lange Aufstieg über Bergün und Chants zum höchsten Punkt der Strecke bei der Keschhütte auf 2632 m.ü.M. Nun fallen mir die harten Trainings ein: 1600 Höhenmeter mit müden Beinen, aber klar, das geht doch!
In den steileren Abschnitten auf der Strasse nach Bergün kann ich nicht mehr alles laufen. Da ich mit zügig marschieren aber gar nicht so viel langsamer bin als diejenigen die es noch mit laufen versuchen, beunruhigt mich das nicht. Bergün bei Km 39.2 auf 1365 m.ü.M erreiche ich nach 3:42. Nochmals etwas Zeitreserve herausgeholt, wollte ich doch nach 4 Stunden hier sein. Wieder stehen meine Fans an der Strasse und geben mir eine Jacke, lange Hosen, Stirnband und Handschuhe. Ich will gut ausgerüstet sein für die hohen Pässe, sind doch dort oben Temperaturen nahe der Nullgradgrenze angesagt.
Der Weg führt weiter ins Val Tuors hinein. Zusammen mit den Teilnehmern des K42 die hier kurz vorher auf eine Einlaufrunde gestartet sind, laufe und gehe ich auf der Strasse bis nach Chants bei Km 47.2 und 1822 m.ü.M. Ab Chants wird es dann richtig steil. Die 5.7 km und 800 Höhenmeter lege ich nur gehend zurück. Aber hier läuft eh keiner mehr. Ich komme ganz gut vorwärts und kann immer wieder andere Teilnehmer überholen. Ich merke jetzt so richtig dass sich die vielen Trainingshöhenmeter auszahlen. Schritt für Schritt stemme ich mich zügig aufwärts obwohl ich unten im Tal noch ein wenig gezweifelt hatte. Nach 5:49 komme ich bei der Keschhütte an (Km 52.9). Immer noch unter Plan von 6 Stunden. Ich mache scheinbar noch einen guten Eindruck, denn der Arzt, der hier alle Teilnehmer beobachtet, fragt nur kurz wie es mir geht und lässt mich passieren. Hier bin ich froh um meine Jacke weil der Wind ziemlich kalt über den Pass weht.
Der Weg führt nun erst mal etwa 200 Höhenmeter abwärts. Da bin ich schnell und kann an vielen Mitläufern vorbei ziehen. Leider ist der Weg manchmal zu schmal zum Überholen. Auch der folgende sanfte Aufstieg zum Scalettapass ist meistens so schmal dass nur überholt werden kann wenn ein langsamerer Läufer anhält und die schnelleren passieren lässt. Erst stört mich dass ein wenig, dann aber bin ich auch froh um kurze Gehpausen. Auf dem Scalettapass auf 2606 m.ü.M bei Km 60.1 stehe ich nach genau 7 Stunden.
Jetzt merke ich erstmals dass eine Zielzeit von unter 9 Stunden möglich werden könnte. Es geht nun ja nur noch 18 km abwärts. Zuerst auf 4 km 600 Höhenmeter runter auf einem groben Karrenweg. Dieser ist zum Glück breit genug zum Überholen. Hier lasse ich es so richtig krachen. Ich spüre nichts mehr von müden Beinen und rase den Berg runter. Ich erinnere mich ans Training „Vollgas bergab“ und weiss das meine Beine das aushalten. Ich habe ein totales Hoch und bin ganz konzentriert auf jeden meiner Schritte auf dem groben Untergrund. Weiter unten wird der Weg wieder besser und weniger steil. Die Konzentration lässt etwas nach und schon passiert es: Ich stolpere über einen Stein und kann einen Sturz nicht mehr vermeiden. Ich rolle vornüber und bleibe mit einem Krampf in der Wade liegen. Ausser zwei kleinen Schrammen ist zum Glück nichts weiter passiert. Eine Zuschauerin hilft mir das Bein zu dehnen und schon bald kann ich wieder aufstehen und weiter laufen.
In Dürrboden (Km 64.4, 2007 m.ü.M) warten wieder meine Fans. Ich kann die nicht mehr benötigten Kleidungsstücke abgeben und mache mich auf die letzten 14 km auf denen es immer noch 500 Höhenmeter runter geht. Leider geht es nicht nur runter. Auf einigen kleinen Gegensteigungen und flachen Abschnitten merke ich doch mehr und mehr die vergangenen Kilometer in den Beinen. Doch jetzt kann mich nichts mehr aufhalten. Km 70, nur noch 8 km und noch nicht ganz 8 Stunden vorbei. Ich beginne zu rechnen, was gibt das für eine Zeit? Jetzt kann nichts mehr passieren, ich werde unter 9 Stunden ins Ziel kommen. Besser als ich es mir je erträumt hatte.
Noch 3 km, noch eine giftige Steigung. Egal, kurz hoch marschieren und dann nur noch runter ins Ziel. Man hört schon den Speaker im Stadion. Die letzten 200 Meter, immer dichtere Zuschauerreihen, dann der Einlauf ins Stadion, abklatschen, Hände in die Höhe reissen und über den Zielstrich. 8:42:53 zeigt die Uhr. Wahnsinn, ich habe tatsächlich den K78 geschafft, mein erster Berglauf in dieser tollen Zeit.
Vielen Dank Katja für deine perfekten Trainingspläne. Es war hart und oft musste ich mich überwinden um die langen Einheiten in Angriff zu nehmen. Aber die Freude im Ziel entschädigt für alle Mühen. Ich werde weiter mit dir trainieren. Das nächste angestrebte Ziel wird vermutlich der Inferno Triathlon im Berner Oberland sein.
Swissalpine K78
Gesamtzeit: 8 h 42 min
Robert Schützinger
Bergweekend, 27./28. September 2008 >>> Pictures
Mitspielende in der Reihenfolge des Auftretens:
Züsi (s’Wullemützli) Pfäffli, Regisseurin
Markus (dä U-Bootkapitän) Stöcklin
Örs (the speedhiker) Brotzer
Sibylle (s’Smaragdhösli) Grimm
Robert (dä Röbinator) Schützinger
Verena (d’Kommodeschmuggleri) Kellner
Philipp (dä Turnschuehwanderer) Montwill
Yvonne (d’HotPotMaid) Neumann
Isa (d’Chalberi) Klingenfuss
Dominik (dä Bodeschläfer) Benz
und 2 Steiböck mit Chopfweh
1. Akt
Samstag, 6 Uhr 25 traf sich die Vorhut von fünf Sehr-früh-Aufstehern zum gemeinsamen Weiterschlafen am HB Zürich. Die Zugfahrt nach St.Antönien stand deshalb unter dem Motto „Wer am längsten gähnt, der braucht einen Kaffee mehr“. Nach zweimaligem Umsteigen trafen wir in St.Antönien ein, wo wir auf die Langschläfernachhut Verena und Philipp trafen, die ihre persönliche Ökobilanz mit einem Autobahnritt schmälerten.
Die erste Handlung war das Nachrüsten der Notvorräte im örtlichen Gemischtwarenladen, wo neben Haribobärlis auch Hosenträger für die indigene Bevölkerung zu haben waren. Vor dem endgültigen Startschuss genehmigten wir uns dann doch noch den urbanen Latte Macchiato im Hotel „Fleischkäse“ (der Fassadenfarbe wegen). Langsam stieg die Nervosität und wir machten uns zu siebt, die restlichen 3 stiessen erst am Abend dazu, auf den Weg ins fast unbekannte Terrain. Die drei Erstgenannten der obigen Liste hatten die Route schon einige Wochen zuvor rekognosziert. Somit konnten wir von deren damaligen Anfängerfehlern profitieren und fanden den Einstieg in die Wanderung problemlos. Wegen der doch herbstlich kühlen Witterung konnten wir uns auch nicht auf eine einheitliche Kleiderordnung einigen. So war Sibylle zu Beginn faserpullimässig bis zum Kinn eingepackt. Als Gegenstück hatte Markus alles auf leicht getrimmt und zeigte seine Waden (sie sollten uns während beider Tage stets den Weg weisen) und seine Oberarme. Der Leichtläufer der Truppe war Philipp mit seinen wohl marathonerprobten, nur mässig gebirgstauglichen, Wettkampflaufschuhen. Der Anfang der bevorstehenden 1000 hm war moderat und ein lockeres Einlaufen. Wir kamen an einer alten, wasserbetriebenen Sägerei vorbei, wanderten immer weiter einem Bachlauf entlang und ab und zu musste eine Teilnehmerin dann doch ein Kleidungsstück ablegen, da trotz der morgendlichen Schattenlage die ersten Schweisstropfen rannen. Kaum wurde das Terrain steiler, kam Urs in die Gänge und zeigte uns allen seine Bergsprinterqualitäten. Bald war er kaum mehr in Sichtweite, während sich das Gruppetto geniesserisch den Berg hinauf schlängelte. Beim ersten Sonnenstrahl auf dem Weg fanden wir uns dennoch zum ersten gemeinsamen Päusli. Weiter den Berg hinauf wurden dann wichtige Lebensprobleme ausgetauscht. So erfuhren wir von Verenas geliebter Kommode, die in Deutschland vor sich her einsamt und wegen des Spezialfalles CH nur mit Zollabgaben oder halt eben über einsame Schmugglerpfade (auf so einem befanden wir uns gerade) den Weg nach Züri finden könnte. Sibylles Rückseite, respektive ihre mit Brillianten besetzte Hose, war stets eine Wegmarke und der Schreibende bekam von Züsi 1001 Spitznamen. So verrann die Zeit kurzweilig und wir waren bald auf dem ersten Sattel, von wo wir uns über einen Grat (eine Seite CH, die andere A) zum ersten Gipfelkreuz aufmachten. Kurz davor war plötzlich ein dumpfes, sich wiederholendes Schlagen in der Landschaft zu vernehmen. Nicht weit vor uns entdeckten wir 2 echte, vierbeinige Bündner Steinböcke, die ihren herbstlichen Übermut mit Hornstössen gegeneinander abreagierten. Ein einmaliges Schauspiel. Wie Züsi von dieser Szenerie in die Theorie der Stossdämpfung verfiel und dabei zu erklären versuchte, wieso Spechte bei ihrer Arbeit kein Schädel-Hirntrauma erleiden, bleibt ihr Geheimnis. Eine weitere kurze Pause beim Kreuz mit ein paar von Züsis Gipfel-Aprikosen-Lebkuchen-Guetzli und schon bald machten wir uns auf den Abstieg. Über ein kleines Schneefeld, welches die geübteren Teilnehmer in der Falllinie mit eleganten Kurzschwüngen bewältigten, strebten wir zügig unserem Etappenziel, dem Gasthaus Sulzfluh zu, welches wir nach einer guten Stunde erreichten.
Hier legten wir unsere verdiente Vesper mit Nussgipfel ein, bis Markus wieder die Unruhe ergriff und wir ihn alle zum nahe gelegenen See begleiten mussten. Dieser befand sich ungefähr 1.32456345 km (gem. Urs’ GPS) entfernt. Bei Markus’ Konkurrenzprodukt wäre die Bestimmung sicher noch um 3 Stellen genauer ausgefallen. Auf dem Seelein waren tatsächlich zwei Ruderboote zur freien Benützung vertäut, wovon eines ein wenig mit Wasser vollgelaufen war. Markus, ein Mann der Tat, nahm sich dieses Bootes an und schippte in mühseliger Arbeit, bei der er von uns anderen verbal voll unterstützt wurde, alles Wasser raus, um dann mit kräftigen Ruderschlägen zu beeindrucken. Aber wie kam das Wasser zuerst wohl in das Boot? Vielleicht ein kleines Leck? So wurde Markus’ Ruderrunde doch vielleicht kürzer als geplant. Kurz bevor er das Seerohr ausfahren musste, band er das Boot wieder am Steg fest und wir diskutierten noch kurz, ob das Loch im Boden mit Kaugummi wohl reparierbar wäre. Sodann kehrten wir wieder ins Hotel zurück, wo sich bald auch Yvonne, Isa und Dominik einfanden. Isa und Nik unternahmen den Nachmittag über, vom Dorf bis zum Gasthaus, eine Wanderung ohne Wegkarte. Als wohl die ersten Eisbären ihren Weg kreuzten, erkannten sie, sie hatten sich verirrt und traten den Rückweg
an. Wieder in heimischen Gefilden kamen sie an einer Kuhweide vorbei, wo das werdende Leben eine Live-Show bot. Eine Kuh kalbte. Isa hätte sich gerne als Geburtshelferin angeboten und ihre anatomischen Kenntnisse eingebracht. Die Kuh schaffte es auch ohne ihre magischen Hände. Da wir nun alle im Hotel waren, hungrig und körperlich erschöpft, bezogen wir schnell die Zimmer. Manche davon echt mit elektrischem Licht, eines echt mit Kerzli. Da auch noch ein Bett fehlte, musste improvisiert werden und eine Matratze fand den Weg auf den Boden des Viererzimmers. Diese schnappte sich später Dominik, wobei er dann nicht wusste, ob er wegen der kurzen Decke eher die Füsse oder doch den Bauchnabel zudecken sollte.
Nun war endlich Essenszeit und der schönste Teil des Abends war erst noch für danach angesagt. Das Essen schmeckte den Karnivoren gut, den Vegetariern unter uns weniger (Panierter Käse!). Und dann, yeah, HotPotTime. Nachts um halb neun. Ein Kupferkessel wie bei Miraculix, nur mit Kamin und Sprudel. Platz für maximal 4-5 Personen, aber wir quetschten 7 Leute rein und der Kessel schwappte über. Yvonnes HotPotNixenfüsse auf des Schreibers ramponierten Wanderzehen waren bei dem Gedränge unvermeidlich. Nur Markus schaffte es noch, ohne Rücksicht auf andere, die Arme relaxed auszubreiten. Wir fügten uns ihm und genossen das Büchsensardinenleben. Von unten wurde die ganze Suppe mit Holz geheizt und so auf die Dauer wurde das Sitzbänkli im Pot ganz schön hot. So mussten wir alle paar Minuten um einen Platz schieben, um uns den Allerwertesten nicht zu verbrühen. Lustig war es anzuschauen. Und es war einfach super! Irgendwann waren wir aber alle durchgekocht und bereit fürs Bett. Nach einem kurzen Gute-Nacht-Umtrunk und bald schon schläfrigen Augen war der Tag erfüllt und vorbei. Wir freuten uns schon auf den nächsten Morgen. Klettersteig! Erstmal aber „Gute Nacht“.
2. Akt
Nachts, es war dunkel. Kirchengeläute auf der Alm. Kirchengeläut? Keine Kirche weit und breit, aber ein lustiger Natelfehlalarm. Der Verursacher war kurz vor der Exekution, schaffte es aber gerade noch rechtzeitig sein Gerät abzustellen. Irgendwann später der richtige Alarm. Kurz vor 7 Uhr. 2 ½ Minuten später sassen alle am Frühstückstisch. Schlaftrunken und nervös. Isa, Nik, Verena und Philipp wollten den wunderschönen Herbsttag noch mal für eine ausgiebige Wanderung nutzen. Wir anderen bereiteten uns mental und auf die kommende Kletterei vor. Noch kurz das unvermeidliche Gruppenfoto vor dem Hotel und dann trennten sich die zwei Fraktionen. Eine in Richtung Klettersteig, die andere zum Wanderspass. Falls Isa und Nik die Führung der zweiten Gruppe übernommen haben, erwarten wir in den nächsten Wochen eine Postkarte vom Kilimandscharo.
Wir restlichen sechs Wagemutigen machten uns nun auf zum Einstieg der Wand, welche die ganze Zeit in unserem Blickfeld lag. Vor uns und hinter uns weitere unzählige Gesellschaften, die die gleiche Idee hatten. Über steile Wiesen und dann Geröllfelder gelangten wir zum Wandfuss. 500 hm lagen nun bereits hinter uns und etwa 500 hm Klettersteig vor uns. Nun hiess es s’Gschtältli anziehen und die Sicherungsgurte montieren. Vor uns einige Gruppen, die bereits einstiegen. Urs der Schnellkletterer nahm die Route als erster in Angriff, dann Sibylle, Markus, Yvonne, Robert und als letzte Absturzsicherung Züsi. Karabiner am Führungsseil einhängen, immer doppelt gesichert, alle paar Meter bei den Seilbefestigungen umhängen. So stiegen wir schnell auf und die Anfangsnervosität war langsam weg. Es machte ja richtig Spass! Urs war, wie üblich, bald ausser Sichtweite und er schloss mal zur nächsten Gruppe auf oder machte wagemutig, ohne Seilsicherung, nur mit den Zehen an den Fels geklammert, Fotos von uns. So im klettern sahen wir eigentlich immer nur die Schuhsohlen der Vorderfrau (-mann). So konnte ich gut die Kuhfladenreste in Yvonnes Profil studieren. Den anderen ging es wohl ähnlich. Doch dann kam es, wie es kommen musste. Wir standen bald im Wochenendstau. Tatsächlich Stau in der Wand und kein Klo zum austreten. So mussten wir ab und an einige Minuten warten bis es weiterging. Das förderte natürlich wieder die Kommunikation. So vergass Yvonne ihre Schminkutensilien, Züsi begann das fehlende WC zu vermissen, Sibylle glich ihren Eisenmangel dadurch aus, indem sie sich in die Steigleitern verbiss, Markus’ Waden waren frisch wie eh und je, Urs war sowieso ausser Gesprächsweite und ich hatte einen Hungerast. Es ging stockend weiter. Mal steil oder überhängend auf Stahlbügeln, mal traversierend entlang steilstem Fels, mal über eine Seilbrücke, mal über eine horizontale Leiter. Und die gelegentlichen Rück- und Hinunterblicke waren atemberaubend. So kamen wir dem Ziel, der Sulzfluhspitze näher und näher. Und waren plötzlich da. Wie weitere Myriaden von Kletterausflüglern auch. Nahe dem Gipfelkreuz genossen wir unser mitgebrachtes Essen. Urs auf der einen Backe in Österreich, auf der anderen in der Schweiz. Der Renner waren Markus’ saure Gummiwürmli. Es war sonnig und warm. Manche schwitzten und Züsi zog ihr Wullemützli (H&M Fr.19.95, aber wirklich hübsch) über die Ohren. In weiter Ferne glaubten wir die andere Veloateliergruppe zu sehen, wie sie unter Isas und Niks Führung gerade den Abzweiger nach Ostafrika nahm.
Wir stiegen über die Hinterseite der Sulzfluh ab. Ausser einer kurzen von Züsi initiierten Schneeballschlacht, mit Volltreffer auf Yvonnes rechter Hinterbacke und kurzem Pinkelstopp für Mädchen, gab es keine weiteren Vorkommnisse. Natürlich war Speedie-Urs schon wieder ausser Reichweite, um überhaupt ein Vorkommnis sein zu können. Züsi zog ihr Mützli nie aus, da sie keine Utensilien dabei hatte, um ihre Lockenpracht zu richten, Sibylles Podiamanten glitzerten immer noch lieblich, Markus’ Waden waren nicht mehr ganz so frisch und mein grosser Zehennagel löste sich langsam vom Bett. Wir erreichten irgendwann den See vom Vortag, Markus’ U-Boot wurde tatsächlich noch von anderen benutzt, und dann gelangten wir nach weiteren ca. 1.32456345 km wieder zum Gasthaus.
Jetzt gab es noch das schwer verdiente Glacé. Für die meisten Coupe Nesselrode. Yvonne bot ihre Schlagsahne allen an, nachdem sie ihn fürs Auge „schmackhaft“ irgendwo auf den Unterteller gekleistert hatte. Wir lehnten dankend ab. Zwei superschöne Tage gingen dem Ende zu. Züsi, Markus und ich leisteten uns noch einen Teufelsritt auf dem Trotti ins Dorf. Von dort traten wir die Heimreise an.
3. und letzter Akt
Unser aller Dank gilt der Regisseurin, Initiantin und Organisatorin Züsi. Das Drehbuch hätte nicht besser geschrieben werden können.
Bettina Baumgartner
Ironman Switzerland 2005 >>> Pictures
0 (Startschuss): ab in die Waschmaschine... es brodelt im Wasser und in mir!
+11h45 ...ich sehe nur noch den orangefarbenen Zielbogen, noch eine Kurve, noch einmal lange schöne Schritte und - Schweben! Ich fliege ins Ziel! Nein, Fliegen kann nicht schöner sein!
-15h: Rad-Check-In: Eisen geprüfte AthletInnen mit stählernen Körpern stossen leichtfüssig und cool ihre Rennmaschinen zur Wechselzone - vom Feinsten. Und ich? Die Vorfreude, welche während dem Packen zu Hause aufkam, wird von zunehmendem Unbehagen überdeckt. Ich fühle mich klein und unerfahren, bin nervös und traue mir das Ganze nicht mehr zu. Warum nur habe ich mich auf dieses Unterfangen eingelassen? Meine Beine fühlen sich an wie ein einziger Schwabbelpudding - nur noch etwas schwabbeliger... Endlich, das Rad ist feinsäuberlich unter seinem Plastikmantel verpackt und ich verlasse - völlig durchnässt vom Regen - die Wechselzone. Nix wie weg!
-1h45: im Morgengrauen taucht eine verwandelte, wunderbar friedliche Wechselzone vor meinen Augen auf. Noch ist fast niemand da: ich bin ergriffen von dieser wunderbaren Stimmung! Vorfreude und Respekt keimen in mir auf: ob ES gelingt?
-30min: warum nur müssen alle aufs Klo? ...
-20min: ich sitze bei meinem Wechselplatz auf dem Boden und rolle den umgestülpten Neo meine Beine hoch. Plötzlich geht gar nichts mehr und ich winde mich wie eine gefangene Made am Boden: der Rücken-Reissverschluss ist geschlossen! Mein "Wechselzonennachbar" bietet mir, offensichtlich(st) das Lachen verklemmend, seine Hilfe an. Irgendwann stecke ich dann im Neo und fühle mich so langsam auch wie eine Triathletin. Mein "Nachbar" wünscht mir strahlend ein besseres Gelingen des IM als beim Neo anziehen. Ich solle den Tag geniessen! Genuss?! So langsam freue ich mich.
-10sec: Musik dröhnt, AthletInnen, HelferInnen und ZuschauerInnen klatschen in die Hände - mir kommen die Tränen; schon beim Start!
Katja: Sie hat es geschafft, dass ich am Start stehe, nervös, und doch: Ich spüre, dass ich noch nie so fit war wie heute, sowohl körperlich als auch im Kopf. Ich bin beeindruckt, wie Katja das hinkriegt! Über 6 Monate hatte ich Trainings-Pläne von ihr. Sie hat mich durch Höhen und Tiefen geführt, ihre Pläne immer wieder individuell auf mich ausgerichtet, meine körperliche und emotionale Verfassung richtig erfasst und in ihren Plänen berücksichtigt. Immer wieder habe ich festgestellt, wie sorgfältig und individuell die Pläne aufgebaut sind. Schnell zeigten sich die Fortschritte und mein Körper veränderte sich. Auch der Kopf - obwohl sich dieser immer wieder quer stellte. Wenn ich dachte, jetzt geht gar nichts mehr, wenn ich die Nase voll hatte und Zeit für etwas anderes brauchte oder am Unterfangen Ironman zweifelte stand da: Ruhetag! Ich konnte mich mit einem Buch aufs Sofa knallen oder Freunde zum Abendessen einladen und nicht über Triathlon sprechen. Szenenwechsel. Und die Welt war wieder in Ordnung! Für mich waren Katjas abwechslungsreiche Pläne Spitze. Dank ihrer professionellen Unterstützung fühlte sich das Laufen plötzlich leicht und rund an - ein wunderbares Gefühl!
Natürlich gab es Tage voller Unlust und Zweifel. Tage an denen der innere Schweinehund unüberwindbar schien. Katjas Plan hat mir geholfen, mich auch an "schlechten" Tagen in die Trainingskluft zu stürzen. Über Katjas Gesicht huscht jetzt vielleicht ein Lächeln. Dank meinen mehr oder weniger regelmässigen Rückmeldungen weiss sie auch von allen Lücken, Abkürzungen und Ausreden. Aber auch von den Tagen, an denen trotz Unlust zum Training nach den ersten Minuten im Sattel, der Nase im Wind, dem Traben an der frischen Luft, plötzlich ein Glücksgefühl aufsteigt - ja Radfahren macht glücklich!
+7h05: Heartbreakhill zum Letzten: unvermittelt befällt mich ein Krampf im Oberschenkel. Was nun? "Steigen Sie ab und strecken Sie mir ihr Bein entgegen!" Meinem Retter sei Dank! Nach einer kurzen Massage fühle ich mich fast wie neugeboren und pedale erleichtert die Rampe hoch. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, welche am IM Zürich waren, geholfen und gejubelt haben. Auch an alle, welche mich während der Trainingsphase unterstützt haben, Verständnis hatten für meine Zweifel und meine Euphorie. Danke auch denjenigen, welche sich auch freuten, wenn ich zu einem Abendessen erst zum Dessert und dafür umso hungriger auftauchte;-)
+ 9h30: ein Ironman entscheidet sich beim Laufen - oder im Kopf... Es ist hart, die Beine sind schwer, die Luft drückend heiss. Jede Minute berechne ich die noch fehlende Distanz und wann das nächste squeezy fällig ist. Immer noch fehlt ein Halbmarathon! Einige der stählernen AthletInnen schwanken, andere spazieren. Ich laufe immer noch?! Zwar mit schweren Beinen, kurzen, fast schleichenden Schritten. Dennoch weiss ich genau, wer wo steht und freue mich bei jeder Runde auf die bekannten Gesichter und die aufmunternden Worte. Da: meine Eltern. Ich reiche Ihnen meinen fast leeren Wasserbecher damit Sie ihn für sich wieder auffüllen können.
+4 Monate oder -8 Monate?: eine Frage? Ich habe mir mit der Beantwortung dieser Frage Zeit gelassen, denn der hohe Trainingsumfang bedeutet auch Verzicht. Doch die Erinnerung an den Zieleinlauf, an die Trainingslager auf Lanzarote, an die Mails mit Katja, an die Stunden im Sattel, an mein Körpergefühl lassen mich strahlen! Und es ist keine Frage: Nächstes Jahr möchte ich wieder am Start von einem IM stehen und - geniessen!
Gesamtzeit: 11h 46min
Schwimmen: 1h 14min
Rad: 6h 03min
Lauf: 4h 21min
Susanne Abrahantes
Gigathlon 2005 >>> Pictures
Freitag, 8.7.05
Als es um die Mittagszeit bei mir im Seefeld klingelt, weiss ich ganz genau, was mich erwartet. Oder bin zumindest überzeugt davon, es genau zu wissen. Denn heute fahren wir, die Gigathleten vom Veloatelier Zürich, ins Tessin, von wo wir uns dann in 2 Tagen nach Basel hochkämpfen werden.
Wir, das sind Urs "noonehügel" Brotzer, die beiden Markusse Stöcklin bezw. Guldenschuh sowie Isabella Pesti und ich selbst. Zusammen bilden wir ein "Team of Five". Bei uns sind die Disziplinen vor allem nach Lust und Laune verteilt. Während Isa und ich uns die Rennvelo- und Schwimmetappen aufteilen, sind Urs und Markus joggend sowie inlinend unterwegs, während Markus G. sich die Bikestrecken gesichert hat.
Jetzt aber hocken wir erst mal in dem grossen grünen Auto, das netterweise von Markus' Schwester zur Verfügung gestellt wurde und in dem es immer enger wird. Nach mir wird nämlich noch der Guldenschuh Markus aufgeladen, an seinem Arbeitsort in Wetzikon; und dass er bei dieser Gelegenheit noch ein paar hochenergetische, bestimmt mit kurz- und langkettigen Kohlenhydraten gut bestückten, aber auch sonst sehr schmackhaften BAASLERLÄCKERLI einpackt, wird allseits sehr geschätzt.
Dem (vermuteten) Stau am Gotthard entgehen wir durch eine Fahrt über den San Bernardino hinunter ins Misox und über Bellinzona nach Locarno. Im Auto kocht es vor überbordender Energie. Kein Wunder. Man schwatzt vergnügt, die Strapazen der nächsten Tage sind noch weit, und überhaupt: die vielen Läckerli und Sachesächeli mit vielen Vitaminen, mit Lysin und L-Carnitin und was weiss ich was für wichtigen Sachen finden allmählich ihren Weg in unsere geschwätzigen, aber eben auch hungrigen Mäuler. Schliesslich ist auch Autofahren anstrengend! Und vor allem das Sprüche reissen, dem wir fünf uns eifrigst widmen, geht an die Muskeln!
Ausfahrt Locarno. Schlangen von Autos (Achtung: es sind "Begleitfahrzeuge"!) quetschen sich auf den Flugplatz, wo wir unsere Zelte aufschlagen sollen. Strategisch nicht mal so schlechter Platz: eine Reihe WC's, fröhlich blaue toi toi's sind nur 3 Zeltreihen weit entfernt!
Wir gehen alle zusammen das Abendessen fassen. Kohlenhydratspeicher werden gefüllt. Man guckt ein bisschen herum, kennt hier und da jemanden. Allen ist die Vorfreude auf die kommenden 2 Tage aufm Gesicht zu lesen!
Samstag, 9.7.05
Mit Isabella beginnt der alpine saturday. Heisst, sie quält sich um vier Uhr aus dem Schlafsack, nach einer unruhigen Nacht, in der es auch noch einmal richtig grausig herunterregnete. Um sechs Uhr soll sie in Tenero ins Wasser, um crawlend das andere Ufer des Lago Maggiore bei Locarno zu erreichen um den Chip an den folgenden Inliner zu übergeben. Als ebendieser (Markus S.) und ich im Frühtau vom Frückstückszelt zurückkehren, ist es noch zappenduster auf dem Zeltplatz - und Isabella bereits auf dem Shuttle, etliche Busladungen voll schwarzer Robben mit Badekappen fahren an den Start….
Die Übergabe klappt so so la la. Wir sehen Isa nicht. Doch dann ist alles okay und der Chip hat den Fuss gewechselt. Während also Markus nach Cevio rollt, wo der andere Markus mit dem Mountainbike auf seinen Einsatz wartet, packen wir das noch nasse Zelt zusammen. Mit dem Auto geht's nach Airolo hinauf. Mir bammelt ein wenig - denn hier ist mein Einsatz gefragt, 120km mit dem Rennvelo über drei Pässe nach Sarnen hinunter. Misstrauisch verfolge ich die Wolken am Himmel - kommt es oder kommt es nicht?
Es kommt. Als ich mir den Chip von Mr. Mountainbike Markus G. um den Knöchel binde, spüre ich den ersten Tropfen im Gesicht. Mental hab ich so was ja schon durchgespielt, also was solls - ich klicke mich in die Pedalen und treibe meinen roten Stahlesel den ersten Pass hoch. Keuch, Ächz und nochmals keuch. Gümmeler um Gümmeler überholt mich. Ich denke: Easy. Es sind 3 Pässe. Teil die Kräfte ein. Es ist nicht einfach, sich zusammenzureissen und nicht voll dreinzufahren! Tröpfel, tröpfel. Der Himmel grau, und ich motiviere mich damit, dass bald der erste Pass vorbei sei. Und das ist gut so. Denn der Nufenenen fordert mich nicht nur körperlich, sondern ist auch für die Psyche ein harter Brocken. Ein stetiger Anstieg, man sieht kein Ende, und als ich nach knapp 2 Stunden endlich oben bin, ist das Wetter vollends gekippt - es regnet in Strömen. Aber dafür hab ich ja meinen Rucksack dabei. Handschuhe, Überfüsse, Regenjacke, alles, was warm gibt wird übergezogen. Unten bin ich zwar nur ein bisschen weniger nass als alle andern Gümmeler. Aber ich friere nicht so sehr wie die. Einige tun mir wirklich leid - nur mit Flatterjäckchen und kurzen Hösli unterwegs! Harte Zeiten für harte Männer! Dabei hätts auf dem Nufenen genug Murmeltiere gehabt, denen man hätte das Fell abziehen können…
Nach sechseinhalb Stunden über Berge und durch Täler und bin ich auf der Schnurre und halb blöd geworden. Zumindest fühl ich mich wirklich hirnverbrannt als ich in die Wechselzone wackle. Der Speaker gackert meinen Namen und einer sagt "…der Jogger wird erlöst…" wobei ich hier bemerken muss, dass ich MICH jetzt als erlöst empfinde…
Aber ich werde wenigstens wirklich sehnsüchtigst erwartet, von Urs, der noch einen Longjogg auf die Allmend Luzern vor sich hat: 26km und ätzende 800m Höhenunterschied. Oder wie Urs sich die Höhen und Tiefen des Laufs während des Laufs selbst vorzeichnet: "…und noone Hüügel und noone Hüügel und noone Hüügel…"
Ich jedenfalls liege längst mit müden Schenkeln im Zelt, als wieder alle versammelt sind und der erste Gaga-Tag zu Ende ist.
Sonntag, 10.07.05
Als erste bin dann gleich wieder ich dran. Ins Wasser muss ich, und von Kastanienbaum, gewissermassen Luzerns Goldküste, nach Horw schwimmen. Ja, das ist das komische Dorf, das man "Horw" schreibt aber "Horb" ausspricht…
Solches aber ist mir vorerst egal, denn erst als kurz vor dem Start Single-Gigathlet Marco Gertsch vorbeischaut und mich fragt ob mein Wetsuit den Reissverschluss vorne habe, merke ich, dass ich mich verkehrt in das Teil gezwängt habe…
Im Shuttle wieder eine Robbenmeute. Etwas unglücklich ist, dass wir eine Stunde auf den Start warten müssen - ich hoffe, dass meine Blase mir keinen Streich spielt! Denn die Füsse sind kalt, sehr kalt…
Den andern Rotbebadekappten geht's nicht anders. Endlich!, der Start und die in den Villen Kastanienbaums sehen ein Haifischbecken vor sich. Wir im Wasser wollen vorwärts, wehren uns gegen allzu schlagkräftige Schwimmer, gegen die Strömung; ich habe gut gezielt und schwimme bald alleine in einer ziemlich direkten Linie nach Horw, schön von Boje zu Boje. Dort komme ich nach 45' an und bin noch so dure, eben Gaga, dass ich dann unseren Übergabeort nicht finde, obwohl da Nümmerli wären; ich aber sehe ganz einfach den Urs nicht, und lasse ihn dann ausrufen: "Die Schwimmerin 1816 sucht seit einer halben - nein, seit EINER STUNDE schon ihren Inliner!" Der Speaker meints gut mit mir, zwinker zwinker, und scheint in bester Übertreib-Laune.
Da, Urs grinst mir entgegen und ich werde den Chip los. Urs fährt ihn nach Sursee - 32 km nordwärts. Zurück im Camp muss es zackig gehen. Bereits ist alles abgeräumt, die orangen Gugelzelte weg. Also aus dem Robbenanzug, in den Trainer und ins Auto. Für mich ist nun Ruhe angesagt! Nur noch Autofahren… Wie so oft in diesen 2 Tagen, stehen wir irgendwann im Gigathlon-Begleitfahrzeugstau. Isa hingegen ist ein bitzeli nervös, denn heute muss sie rennvelomässig dran glauben. Eine über 69km führende, zwar flache Strecke, aber mit vielen Ecken und Richtungswechseln, so steht's geschrieben. Hoffentlich finde ich den Weg, stöhnt sie mehr als nur einmal. Kommt sicher gut! Genau so ist's. Bester Laune und kein bisschen gestresst trifft sie in Welschenrohr ein. Keine Panne, kein Verfahren, stattdessen ein paar von gestern noch übersäuerten Gümmelern elegant Windschatten gespendet! Markus G., "the Mountain Biker", übernimmt und wir, automässig, im Stau nach Laufen. Markus ist schnell, schneller als wir jedenfalls und muss drum Zeit "neutralisieren", weil wir wieder im Stau hocken.
Den Zieleinlauf vor Augen, fahren wir von Laufen nach Basel. Um etwa 20h dann das SMS, und mit einem verschwitzten Markus in der Mitte jöggelen wir kaputt, aber glücklich ins Ziel! Die Zuschauer johlen, und es ist ein ganz spezielles Gefühl, zu fünft die Schweiz durchquert zu haben - auf Rollen oder Rädern, zu Fuss, im Wasser.
Und endlich ist auch klar, warum das ganze auch Gagathlon heisst. Weils richtig schön im Kopf blubbert nach so viel Anstrengung. Oder: Je müder dein Körper, desto loser die Zunge!